Marta Cencillo Ramírez über die Papierarbeiten

"Joachim Hillers Werk zeigt eine ungewöhnliche Kontinuität und konzeptionelle Einheit, beeindruckende stilistische und technische Diversität. Immanuel Kants Gedanke, die ganze Natur sei eigentlich nichts anderes, als ein Zusammenhang von Erscheinungen nach Regeln und es gebe überhaupt keine Regellosigkeit, könnte Motto sein für seine Arbeiten. Hiller bedient sich der spezifischen Materialeigenschaften, um nicht die Natur, sondern wie die Natur zu malen. Kunst als unvorhersehbares Ergebnis eines Wechselspiels zwischen dem Einsatz innovativer Techniken, kalkulierter Materialauswahl und Spontaneität auf Basis fundierter Kenntnisse über die Gesetzmäßigkeiten der Natur, so könnten Hillers Arbeitstechnik skizziert werden.

Hillers Lust am Entdecken und Hinterfragen und sein naturbezogenes Empfinden haben ihn in 35 Jahren immer wieder neue Techniken entwickeln lassen, die einer prozesshaften Malerei entgegenkommen. Bei seinen Arbeiten konzentriert er sich auf die Eigenheiten der verschiedenen Arbeitsmaterialien und den ihnen innewohnenden Möglichkeiten der gegenseitigen Reaktionen. Er gibt seinen Werken keinen Titel, sodass der Betrachter nicht in seinen Assoziationen und Interpretationen geleitet wird. So entstehen Werke besonderer Eigenart: Kennen Sie das Gefühl, vor einer atemberaubenden Landschaft zu stehen, gefesselt von der eigentümlichen Schönheit, der Luft, dem Licht, den Strukturen, und zu wissen, dass dieses Erlebnis niemandem in dieser betörenden Intensität beschrieben werden kann? Bei der Betrachtung eines Werks von Hiller empfindet man genau dieses authentische Erleben: Es sind Kreationen, die von der Natur selber erzeugt zu sein scheinen, die nach deren Gesetzmäßigkeiten geschaffen sind, und keine deskriptiven Nachempfindungen!

Das vorliegende Werkverzeichnis präsentiert hier die Arbeiten auf Papier und Karton, die ein wesentlicher Bestandteil von Joachim Hillers umfangreichem Œuvre ausmachen, wobei sich Kriterien ergeben, die eine vorsichtige Gruppierung erlauben. Die Arbeiten zeigen sich in einer technischen Vielfalt und einem stilistischen Reichtum, wie wir es von den Gemälden und Reliefs schon gewohnt sind und verzaubern uns mit ihren spezifischen Material-Qualitäten und unerschöpflichem Strukturenreichtum. Sie sind nicht nur Vorstudien oder Skizzen, sondern häufig als eigenständige Kunstwerke zu werten, in jedem Falle vor allem Unikate.

Marta Cencillo Ramírez
Köln/Cologne, 2012